Loading Praxis für Psychotherapie (HPrG)

Anika KlugeBlog Posts

Bindungsangst


Viele Klienten umtreibt die Frage nach einer gelingenden und erfüllenden Beziehung. Daher möchte ich meinen heutigen Blogbeitrag dem Thema Beziehungs(un)fähigkeit widmen. Sicher hat jeder die Worte bindungsunfähig oder beziehungsunfähig schon einmal gehört oder benutzt. Fast könnten wir den Eindruck gewinnen, unsere ganze Gesellschaft leidet an Bindungsangst und schaut lieber vom vermeintlich sicheren Smartphone aus auf den potentiellen Partner. Neben diesen soziologischen Aspekten die Technologisierung und Social Media mit sich bringen, sehe ich aber vor allem unsere eigene frühe Prägung hier als ursächlich.

Wie und wann erwerben wir denn die Fähigkeit uns zu binden? Warum manche Menschen eine gute und sichere Bindung eingehen können und wieder andere eher zu kurzlebigen Bekanntschaften neigen, ist kein Zufall sondern schlicht Prägung. Unsere Eltern programmieren uns sozusagen unser Bindungsmuster. Sind wir in einer sicheren und gut gebundenen Umwelt aufgewachsen und waren unsere Eltern in der Lage, eine sichere und verlässliche Beziehung zu uns herzustellen, entwickeln wir auch ein sicheres Bindungsmuster.

Wieder andere Menschen wachsen eventuell mit einem Elternteil auf, das erkrankt oder sehr hilflos und überfordert wirkt. Hier lernt das Kind: "Ich muss retten oder helfen in Beziehungen!" Folglich wird kein gleichberechtigter sondern ein hilfsbedürftiger Partner gesucht und mit Sicherheit auch gefunden. Oder wir wachsen mit ambivalenten Eltern auf, die einerseits von großer Liebe erfüllt sind und anderseits sich auch oft zurückziehen, den Eindruck machen lieber kinderlos sein zu wollen oder im schlimmsten Fall sogar Aggressionen gegen ihre Kinder richten. Menschen die eine solche Ambivalenz erfahren haben, werden sich nachvollziehbarer Weise, im späteren Leben auch sehr schwer tun verbindliche Partnerschaften zu finden und einzugehen.

Aus solch destruktiven Prägungen entsteht all das "Liebesleid" unserer Zeit! Egal ob Dauersingle, Seitensprünge, Zerbrechen langjähriger Beziehungen, unglückliche Verliebtheit oder Kurzzeitbeziehungen - all dies ist letztlich auf die Prägungen und Erfahrungen zurückzuführen, die wir in unserer ersten Liebesbeziehung mit unseren Eltern gemacht haben. Wie immer an dieser Stelle die erleichternde Botschaft: wir sind dem nicht ausgeliefert! Natürlich lassen sich solch erste Liebesprägungen therapeutisch versorgen und verändern! Und wenn es sich für die Liebe nicht lohnt sich mit seinen Themen zu beschäftigen, wofür denn dann?